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Peace Convention Leipzig 2009
Emotionen pur




Lichtfest mit Gänsehautfeeling am Freitagabend, ein charismatischer Hans-Dietrich Genscher am Samstag und ein bewegender Festgottesdienst am Sonntag in der Thomaskirche, dies sind nur drei Stationen der rotarischen Peace Convention, die mit Emotionen gespickt dennoch nie Gefahr lief, ins Pathetische abzugleiten.
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„Das hätten wir euch Deutschen gar nicht zugetraut“, dies ist nur eines der Bonmots, mit denen der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher seinen Festvortrag im Leipziger „Alten Rathaus“ würzte. Er zitierte damit eine Bemerkung des französischen Außenministers Roland Dumas einen Tag nach dem Mauerfall. Ein Zitat, das mehr als viele Worte zeigt, wie ein großer Staatsmann es auch heute noch versteht, Fakten mit Humor, Wissen mit Bildern und Weltgeschichte mit Emotionen zu verknüpfen. Genscher umriss in seinem Vortrag zudem den historischen Kontext der Friedensbewegungen im Europa des Jahres 1989: „Ob in Polen, Ungarn oder der Tschechoslowakei, wir waren in unseren freiheitlichen Bemühungen nicht allein…wir hätten es alleine auch nicht schaffen können“, so Genscher in seinem Appell an ein gesamteuropäisches Bewusstsein. Die deutsche Geschichte sei immer schon eine europäische Geschichte gewesen, denn „unsere Geschichte hat uns nie allein gehört“, so Genscher weiter. Für die politische Zukunft prognostizierte er einen Wandel der alten bipolaren Machtverhältnisse hin zu einer multipolaren Weltordnung mit vielen Kraftzentren. „Nichts geschieht mehr isoliert. Alles, was geschieht, geschieht allen anderen mit“, so Genscher. Die Botschaft von Leipzig, die in die Welt hinausging, war eine friedliche, eine gewaltlose und so habe sie auch dazu geführt, „dass die Mauer vom Osten her zum Einsturz gebrachte wurde“. Die Frage, wer nun was in die Deutsche Einheit eingebracht hätte, beantwortet Genscher klar und unmissverständlich: „Der Westen brachte ein funktionierendes Wirtschaftssystem, die Menschen aus dem Osten ihre selbsterrungene Freiheit“. Standing Ovations waren denn auch die Reaktion der rund 250 Rotarier auf die mitreißende Rede eines Mannes, der nicht umsonst nicht nur als Zeitzeuge sondern als Teil der deutschen Geschichte gesehen wird. Distriktsgovernor Uwe Sahlmann bedankte sich – ganz im Sinne des Genscher’schen Verständnisses - mit einer übergroßen Präsenzkarte beim rotarischen Außenminister a.D.
Am Abend davor stand Leipzig ganz im Zeichen des 9. Oktober und des Gedenkens an die Friedliche Revolution 1989. Höhepunkt bildete im Anschluss an das Friedensgebet in der Nikolaikirche ein Lichtfest, zu dem rund 150.000 Menschen in die Innenstadt strömten. Unter dem Motto „Aufbruch Leipzig – 20 Jahre Friedliche Revolution und Einheit Europas“ waren in das Lichtfest Architekten, Lichtplaner, Designer und Künstler aus verschiedenen europäischen Ländern einbezogen worden. Entlang des historischen Demonstrationsweges über den Innenstadtring von Leipzig waren 21 Stationen geschaffen worden, die sich mit Interpretationen zum Thema „Friedliche Revolution“ über die Medien Licht, Audio und Video auseinandersetzten. Musikalisch wurde das Lichtfest vom Bach Chor Leipzig, einem Projekt von internationalen Chorsängern, renommierten Solisten und dem Festival Orchester begleitet. Besonders beeindruckend aber war der riesige Strom von Menschen, die, mit je einer Kerze in der Hand, den vorher verdunkelten Innenstadtring erleuchteten. Ein stimmigeres Zeugnis und eine bewegendere Demonstration zu den Begriffen Freiheit, Demokratie, Gewaltlosigkeit und bürgerliches Engagement hätte sich Leipzig kaum wünschen können.
Das Friedens-Fenster in der Thomaskirche stand ganz im Mittelpunkt der rotarischen Peace Convention am Sonntagvormittag. Das Fenster, gestaltet vom - in Leipzig lebenden Künstler David Schnell - wurde gestiftet von der Houston-Leipzig Sister City Association und Rotariern des Districts 5890 (Houston/Texas) und im Rahmen eines Festgottesdienstes eingeweiht. Das in Rot-Tönen gehaltene abstrakte Werk reiht sich in eine Gruppe von Fenstern in der Thomaskirche ein, die an ein spezielles Ereignis oder eine Person erinnern. Dazu gehört ein heute umstrittenes „Kriegergedächtnisfenster“ von 1929, das an die deutschen Soldaten des ersten Weltkriegs erinnert. „Das Friedensfenster ist das Pendant dazu: Es soll zeigen, dass sich die Haltung der Kirche zu Krieg und Frieden geändert hat“, so der Pfarrer der Thomaskirche, Christian Wolff. Neben der Einweihung des Fensters wurde die „Friedens-Kantate“ der Komponistin Ann K. Gebuhr aus Houston uraufgeführt, die speziell für die Einweihung des Friedens-Fensters komponiert wurde. Diese Komposition war gedacht als gleichzeitige „Huldigung an Johann Sebastian Bach und das Werk, das der Thomaskantor der Welt, ja dem Universum geschenkt hat“, so Pfarrer Wolff weiter. Mit dem Festgottesdienst fand die rotarische Peace Convention in Leipzig einen weiteren sowohl inhaltlich als auch formalen Höhepunkt, der für die Rotarier der beiden Distrikte 1880/Deutschland und 5890 Houston/Texas ein emotionales Erlebnis höchsten Ranges bot.
Bianca Bauer-Stadler 12.10.09
Im Anhang finden Sie künftig ergänzend eine Bildergalerie als auch einen Pressespiegel über die Peace Convention in Leipzig
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Fotogalerie






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